| Eintrag von damian
am 13.1.2012 |
Geprüft werden?
Um es gleich mal vorneweg zu sagen: ich studiere gerne Philosophie. Die Studientexte sind anspruchsvoll, tiefsinnig und betreffen Themen, die mich beschäftigen und faszinieren. Und - ich hab keinen Bock mehr, geprüft zu werden. Ich hab von 2000 bis 2009 studiert, einmal bis zum Vordiplom und einmal bis zum Diplom, um letztlich meinen jetzigen Abschluss zu bekommen. Nach neun Jahren Studiererei inklusive Prüferei hab ich eines ganz gewiss gelernt: etwa zwei Drittel dessen, was ich für Prüfungen lernen musste, waren letztlich für mich unwichtig.
Und da liegt genau der Punkt. Jetzt arbeite ich, und studiere nur noch nebenher. Muss meine Zeit einteilen, meine Ressourcen und Kräfte. Ich kann mich nicht mehr voll und ganz aufs Studium konzentrieren, sondern nur noch in Teilzeit. Und das mache ich auch so. So langsam geht es in die Prüfungszeit und ich bemerke einen Widerstand, der auftaucht, je näher das Datum rückt (Mitte März). Ich müsste jetzt so langsam eigentlich beginnen, die ca. 400 Seiten Studienmaterial noch ein zweites Mal durchzuarbeiten, mir wieder, wie früher, Kärtchen zu schreiben, diese auswendig zu lernen, und so weiter. Damian der Student, der seinen Lernfortschritt in Zentimetern Kärtchenstapel gemessen hat, taucht vor meinem inneren Auge auf.
Will ich das nochmal? Eigentlich nicht. Ich will nicht 2/3 der Ressourcen, die ich aufwende, verschwenden. Ich will auch nicht mehr diesen ganzen Stress, diesen Druck haben, den ich 9 Jahre lang immer in der Prüfungszeit hatte. Kann lernen nicht Spaß machen, lustvoll sein?
Andererseits merke ich, dass geprüft-werden auch sinnvoll ist. Letztlich bin mir nicht sicher, ob ich das, was ich lese, wirklich "richtig" verste. Darüber würde mir eine Prüfungsnote Auskunft geben. Außerdem werde ich, wenn ich nicht geprüft werde, keinen Abschluss bekommen. Nicht, dass ich einen bräuchte - ich hab ja einen. Aber dennoch taucht der Gedanke in mir auf. Es schwebt mir eine Situation vor, in der irgendein Mensch meine Bewerbung in der Hand hält, liest, dass ich x Semester Philosophie studiert habe, und dann abgebrochen, dann liest er, dass ich 5 Semester Soziale Arbeit studiert hab und dann abgebrochen... und denkt sich: "der bringt seine Sachen nicht zu Ende".
Auch auf eine potentielle Universitäts-Laufbahn würde ich verzichten, ohne Abschluss. Das war ja auch mal so ein Gedanke, der vor einiger Zeit in mir herumgegeistert ist. An den Unis wollen sie arbeits- und strebsame Leute, die solche Sachen durchziehen und nicht nur sich die Rosinen herauspicken. Das würde ich auch aufgeben.
Was also will ich?
Kann ich wirklich "nur für mich" studieren?
Von lilie am 13.01.2012 - 15:39 Uhr Lieber Damian,
ich träume vielleicht so 2x im Jahr immer noch, dass ich Prüfungen schreiben müsste. Der letzte Traum ist erst so ca. 1 Woche her, darin musste ich in ca. 1 Monat noch mal Diplomprüfungen machen und hatte noch nichts gelernt. Das sind wirklich unangenehme Träume, ich fand die Prüfungen an der Uni, v.a. die mündlichen, ziemlich schlimm. Ich habe in meiner Unizeit nicht gerne gelernt und würde nie wieder studieren wollen, auch wenn ich jetzt seht dankbar für meinen Abschluss bin.
Wenn ich aber mal so bei dir nachrechne, hast du direkt nach deinem Uni-Abschluss angefangen etwas neues zu studieren, das spricht doch irgendwie dafür, dass du es nicht über hattest. Und mit weniger Druck nur nach dem Lustprinzip zu studieren, ohne dass der Abschluss dann wirklich Ausschlag gebend ist, das klingt doch wirklich gut. Ich finde es auch gut, an einer Sache dran zu bleiben, gerade wenn es dich interessiert und dir prinzipiell Spaß macht. Du kannst doch einfach mal in die Prüfungsphase gehen und gucken, wie es sich so für dich entwickelt.
Viele Grüße,
Lilie
Von pat am 13.01.2012 - 16:09 Uhr Lieber damian,
das Philosophiestudium brauchst du in keinem Lebenslauf angeben, ob abgebrochen oder nicht - denn du arbeitest ja, das kannst du angeben - was du nebenher machst, spielt nur eine Rolle, wenn du es auch angeben willst...
Schön wäre es, wenn alle Prüfungen so wären wie bei K. in W.
Liebe Grüße
pat
Von lilie am 13.01.2012 - 16:34 Uhr Ich hab mich schon gewundert, denn ich habe mich auch an keine früheren Einträge über ein Philosophie-Studium gelesen, aber philosophiert hast du in deinen Einträgen trotzdem auch früher. ;)
Ich denke, was Pat sagt, lässt dir Raum für alle Möglichkeiten, oder?
Uah, eine Lateinprüfung wäre das Allerschlimmste, schließlich habe ich nur knapp mit 5 Punkten mein Latinum geschafft. ;) Dafür ist es dann umso schöner aufzuwachen, und zu wissen, dass man nie wieder z.B. eine Lateinprüfung machen muss.
Von samsina am 13.01.2012 - 16:45 Uhr Wie wäre es denn mal mit einer anderen Frage: Kann geprüft werden nicht Spaß machen, lustvoll sein?
Ich muss gerade ziemlich schmunzeln über die Latinumsprüfungsäußerungen zwischen Dir und Lilie, besonders weil ich jetzt dann im Februar wieder Studenten von der hiesigen Universität diesbezüglich prüfen werden.
Aber ich habe ja durch meinen Beruf einen anderen Blick auf die Prüfungssituationen, aber ich habe sie auch im Studium schon immer als Kick empfunden: An Prüfungstagen war ich danach immer so positiv unter Strom und so gut drauf, dass man mich selten bremsen konnte.
Alles Liebe, S.
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